1. Kapelle bei der Krotenmühle
Die Flurdenkmäler der Gemeinde Hohenwarth-Mühlbach Ronthal
Zur Geschichte der Kapelle
Standort: Von der Krotenmühle bachaufwärts 48° 30,53’ nördl.Br. 15°47,03’ östl.L. Beschreibung: Kapelle mit Marienstatue Maße: 2,30 x 2,10m; Höhe: 3m Entstehungszeit: nach 1800
Etwas bachaufwärts von der Krotenmühle steht diese Kapelle ziemlich tief in den Steilhang hineingebaut, sodaß die aufsteigende Bodenfeuchtigkeit stets eine arge Bedrohung darstellt. Im Innern befindet sich ein Altar mit Marienstatue und den ‚üblichen‘ Devotionalien. Nach mündlicher Überlieferung in Ronthal sei die Kapelle am Kirchweg nach Mühlbach gelegen und dem hl. Rochus geweiht gewesen. Während dieser Kirchweg gut nachzuverfolgen ist, bleibt die überlieferte Rochus-Weihe ohne weiteren Anhaltspunkt. Die klassizistische Fassade weist auf eine Errichtungszeit nach 1800 hin. So wird verständlich, daß die Kapelle auf den älteren Landkarten (Josephinische und Francisco-Josephinischen Landesaufnahme) nicht eingezeichnet ist. Vielleicht hängt die Erbauung der Kapelle mit dem Unwetter im Mai 1844 zusammen – damals ertrank hier bei der Krotenmühle die 20-jährige Cäcilie Müllner. Das Sterbebuch Mühlbach berichtet zum 4.5.1844: Bösendürnbach: Krottenmühle [Cäcilia] led. Stand ein Ziegelstreicher Mensch ehl Tocht. des Mich Müllner Häuslers aus den Rosenauer: Waldhäuseln u[nd] s[seiner] Ehw.Maria. Die 20-jährige ist bey der Waßergüßn u[nd] Wolkenbruch den 7t Mai ertrunken gerichtlich beschaut worden. Sie war demnach nicht in der Mühle beschäftigt, sondern arbeitete in der kleinen Ziegelei, die von der Herrschaft etwas bachabwärts am rechten Ufer des Gscheinzbach betrieben wurde. Die Kapelle diente lange Zeit nicht nur dem Personal der Mühle bzw. der Sägemühle, sondern auch den Inwohnern und dem hier stationierten Jagdpersonal der Herrschaft Mühlbach zur sonntäglichen Andacht, die wohl öfters den Besuch der Messe in Mühlbach ersetzte. Wie bei anderen Flurdenkmälern fehlte auch hier die der Pfarre zustehende Opfer Büchse nicht. Im Kirchen=Verkündbuch bei der Pfarre Mühlbach vom Jahre 1859 an bis etwa 1867: Aus dem Opfer bei der Grotten=Kapelle wurden auf die fromme Meinung der Geber, zumeist zur Ehre U.L.F (Unsere liebe Frau)., sogar zur Ehre der Heimsuchung Mariä (in Zemling) bezahlt. 1946 wurde die Kapelle renoviert und im Rahmen der jährlichen Prozession von Mühlbach aus besucht. Das Gedenkbuch II der Pfarre Mühlbach berichtet: Sonntag, 20. October 1946 fand um 2 h nachm. die jährliche Prozession zur renovierten Kapelle in der Grottenmühle statt, verbunden mit der Weihe eines neues Feldkreuz (geschmückt mit einem Bild der hl. Familie) beim Feldstadl neben der Ronthaler Strasse. Der Gebäudekomplex der Krotenmühle hatte seit dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts die Hausnummer 19 der Gemeinde Bösendürnbach – ob die Kapelle zu diesem Haus bzw. dessen Besitzern gehörte, bleibt ungewiß. Mühle und Kapelle lagen jedoch gewiß in der Ronthaler Freiheit. Wie auch immer, das Mühlbacher Heimatbuch berichtet: Bis Mitte der sechziger Jahre (sc. des 20. Jahrhunderts) ging von Bösendürnbach am Florianitag (4. Mai) eine Bittprozession zur Kapelle der Krotenmühle. (Walther SOHM, Heimatbuch Mühlbach am Manhartsberg (Hohenwarth 1989) S.74.) Anfang der 70er Jahre ließ die Familie Wagner Leopoldine (Mühlbach 43) – ehemals in der Krottenmühle wohnhaft – die Kapelle umfassend als familiäres Ausflugsziel herrichten. Das geschah wahrscheinlich auf Grund eines ex voto, aber auch als Ansporn bzw. Vorbild für die Mitbevölkerung, andere Flurdenkmäler zu pflegen. 1999 veranlaßte die Familie Schindl (ebenfalls Mühlbach 43) die nächste – vorbildlich gelungene – Restaurierung der Kapelle. Am 11. September 1999 wurde die Kapelle, nunmehr als Marienkapelle bezeichnet, vom Mühlbacher Pfarrer Pater Ambros gesegnet.