3. Mautkreuz
Standort:
nö. von Ronthal am Rittsteig
48°30,38’ nördl.Br.
15°48,13’ östl.L.
Beschreibung:
Pfeiler mit Plastik ‚Christus in der Rast‘
Maße:
30cm x 30cm, Gesamthöhe: 2,60m
Entstehungszeit:
unbekannt
Zu Inschrift Beschreibung und Standort des Bildstocks
In den 70-er Jahren vermeinte ich bei extremem Seitenlicht das H mit einem M überschrieben zu erkennen. Zur Jahrtausendwende
war das H (allein) und das T noch sehr gut lesbar – 2022 sind die Buchstaben völlig abgewittert.
Weiters findet sich am Schaft gegen Norden eine alte Einritzung: es könnten die Buchstaben I M sein. Nach Angaben meiner
Gewährsleute aus Mühlbach ist anzunehmen, daß einst außer den beiden Buchstaben H T eine weitere Inschrift am Mautkreuz
angebracht war. Davon ist aber beim besten Willen nichts mehr vorhanden, es sei denn die gerade vermuteten Zeichen I M.
Der Schaft ist am oberen Ende der Rundbogenfelder auf allen vier Seiten mit dem Steinrelief einer Rose verziert; die Rose an der
Vorderseite des Schaftes ist noch deutlich erhalten. Erinnert sie entfernt an ein Mühlrad, oder ist einfach eine stilisierte Rose mit 7
Blütenblättern gemeint? Sollte die Weintraube unter der Inschrift auf den Beruf des Errichters hinweisen? Löcher im Schaft und an
der Rückseite der Statue lassen vermuten, daß dieser Bildstock, wie der ‚Weiße Herrgott‘ am nordöstlichen Ortsrand von Olbersdorf,
einmal durch einen Baldachin gegen Regen und Schnee geschützt war.
Der Name des Flurdenkmals weist deutlich auf eine Maut bzw. auf eine Mautstelle hin, die hier am Rittsteig – u.a. auch fisch und
salzstrassen genannt, am Grenzpunkt der Freiheiten von Mühlbach und Hohenwarth lag. Diese Lokalisierung ist nicht unbestritten!
So beschreiben einige Urkunden den Standort der Maut im Ortsinnern von Mühlbach. Es ist von Bauernhäusern und von der Nähe
der Schwemme die Rede. Die nähere Behandlung dieser Frage wird daher einem Excurs Bemerkungen zur Lokalisierung der Maut
von Hohenwarth, Mühlbach überlassen. Vorläufig werden wir nun das Mautkreuz weiter so behandeln, wie wenn es hier am
Rittsteig der Mittelpunkt einer Maut bzw. einer Ansiedlung gewesen wäre.
Im Grund und Dienst Buch über Hochenwarth Anno 1677 biß 1721 (ab S.654 wird auch der Zeitraum von 1596 an behandelt!) wird
bereits ab 1608 ein Acker bey der Mauth, ab 1677 der Mauthsteig und vier Fischkalter genannt. Bei weiteren Erwähnungen solcher
Fischkalter wird deren Lage fast ausschließlich mit auf der Freiheit – also nicht im Ort – angegeben. Die Karte der Josephinischen
Landesaufnahme vom Ende des 18. Jahrhunderts zeigt (im Exemplar, das im Nö Landesarchiv aufbewahrt wird) etwas westlich vom
Mautkreuz zwei elliptische (Wasser-) Flächen, die durchaus solche Fischkalter darstellen könnten. Bei einer Maut machten derartige
Becken zusätzlich Sinn, weil durch das Aussetzen der Fische auch die Mengenkontrolle möglich war.
Luftbilder aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zeigen im Acker nordöstlich des Mautkreuzes Spuren eines großen,
viereckigen Gebäudes, noch weiter nördlich ein elliptisches, merkwürdiges Gebilde. Die Luftbilder und weitere Informationen
verdanke ich Frau Dr. Helga Papp (†2001), einer im wahrsten Sinn des Wortes eingehenden Kennerin aller Verhältnisse rund um
den Manhartsberg.
Bestätigend berichten ja die Hohenwarther Kirchenrechnungen zwischen 1649 und 1664, daß auf der Speisekarte des Herrn Pfarrer
Karpfen, Stockfische und Heringe stehen - die frischen Karpfen kosten pro Stück 11 Kreuzer und sind fast 4 Mal so teuer wie die
Häringe, die eingesalzen in Fässern von der Nord- oder Ostsee kommen.
Das sich hier abzeichnende Bild einer größeren Ansiedlung ergibt sich schon aus der Beschreibung der Mühlbacher Grenzen im
Banntaiding des Jahres 1586 (Home>Heimatkundliches zum Lesen>Karte zum Mühlbacher Bannbüchel): Von Westen kommend
erreicht die Grenze des Banntaidings etwa beim heutigen Veit-Kreuz den Rittsteig, der hier auch Pleketer Weg heißt; diesem ein
kurzes Stück nach Süden folgend wird ein Oberndorf erreicht.
Demnach werden wir das oben angesprochene, viereckige Gebäude als Stallungen etc. interpretieren, das elliptische Gebilde wird
wohl ein Fischkalter gewesen sein. Nach Aussage des Hohenwarther Alt-Bürgermeisters, Leopold Sutter, brachten diese Feldstellen
immer deutlich weniger Ertrag bei Korn, Weizen etc. als die unmittelbare Umgebung, was sicherlich auf die Mauerreste im Boden
zurückzuführen ist. Die Verbindung Rittsteig-Maut-Fischkalter am Platz des Mautkreuzes ist also ziemlich sicher!
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Zur Geschichte der Familie Thoma
Versuche, die Buchstaben H T am Mautkreuz mit Personennamen zu interpretieren, führen im Grunde nur zu Hans Thoma von
Hohenwarth. Im 17. Jahrhundert besitzt die Familie Thoma einen Fischkalter – durch das Grundbuch belegt – von 1677 bis etwa
1707. Der Hans Thoma war nach dem Schwedenkrieg aus Sachsen eingewandert, als Fleischhauer kommt er ganz offensichtlich zu
Wohlstand, denn schon 1668 wird er im Alter von 46 Jahren Dorfrichter, behält dieses Amt bis 1679. In den Hohenwarther
Kirchenrechnungen ist er auch ständig als umtriebiger Fuhrwerks-Unternehmer nachzuweisen – sein Tod 1698 beim Sturz von
einem Wagen ist demnach – salopp formuliert – ein Betriebsunfall. Der 1655 geborene Sohn Martin gerät beruflich dem Vater nach,
er ist 1700 Kirchenvater, 1705 bis zu seinem Tod 1707 auch Richter.
Aus einem anderen Zweig der Familie Thoma kennen wir einen Johann/Hans Thoma, der 1739 in Unter Elsarn als Grafenegger
Unterthan stirbt. Seine Initialen passen auch zum Mautkreuz. Sein Sohn Michael Thoma erbt nach dem Tod der Mutter 1754 die
kleine Wirtschaft.
Aus Zemling ist uns 1721 Hanns Thoma als Käufer eines Hauses, das später die Nummer 8 tragen wird, überliefert. 1774 verkauft er
dieses Haus an Joseph Einzinger und seine Frau Theresia. Ein möglicher Zusammenhang mit dem Mautkreuz besteht vielleicht nicht
nur in den Initialen des Hans Thoma, sondern auch darin, daß ein vom Käufer Joseph Einzinger in Olbersdorf 1749 errichteter
Bildstock, so wie das Mautkreuz die Statue ‚Christus in der Rast‘ trägt.
Festeren Boden glaubt man mit dem Dominus Mathias Wenzinna, der am 2.März 1767 als Trauzeuge in Hohenwarth fungiert, zu
erreichen. Sein Beruf wird mit Telloniarius Caesaris, et judex territorialis Gottwicensis hujas – also kaiserlicher Mauteinnehmer
und Göttweiger Richter – angegeben. Geboren worden war dieser Mathias Wenzhina am 7.Februar 1724 in Hohenwarth als Sohn
des Schusters Georg W. , sein weiterer Lebensweg führt ihn nach Wien zu einem Studium. 1757 heiratet er in Hohenwarth Anna
Maria Gözin aus Krems. Wo er kaiserlicher Mauteinnehmer ist, ist nicht zu entscheiden. Göttweiger Richter wird er wohl in
Mühlbach gewesen sein. Er stirbt 1802 in Hohenwarth als gewester Kirchen=Probst und Hauer. Seine Initialen lassen sich nicht mit
der Inschrift am Mautkreuz in Zusammenhang bringen.